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Steuern sparen mit Wertpapierverlusten

Laut Urteil vom BFH vom 25.08.2009 – IX R 60/07 sowie IX R 55/07 (und 1 K 51/06 vom 01.08.2007) ist es kein Gestaltungsmissbrauch, ein Wertpapier mit Verlust zu verkaufen und es am selben Tag wieder zu einem anderen Kurs zu kaufen und dadurch einen Verlusttopf aufzubauen.

So wird aktuell meines Wissens nach immer noch von der Rechtsprechung geurteilt. Außerdem läuft seit der Abgeltungssteuer die Prozedur des Steuerabzugs automatisch und somit braucht man die einzelnen Transaktionen nicht anzugeben.

Selbstverständlich weiß Niemand, ob sich die Rechtsprechung dahingehend zukünftig ändert, aber aktuell scheint es eine völlig legitime Option zu sein, wenn man zu unterschiedlichen Kursen handelt.

In den Kommentaren wurde ich von Finanziellefreiheit darauf aufmerksam gemacht, dass es in gewisser Weise nur eine Steuerstundung bedeutet, wenn man die verlustigen Aktien verkauft und wieder kauft (weil man mit einem Wiederanstieg rechnet).

Es macht bedingt trotzdem Sinn außerhalb des Arguments, Steuern zu stunden, da man ohnehin nicht weiß, ob sich die Aktie überhaupt wieder erholt. Also selbst wenn man davon ausgeht, dass sich die Aktie wieder erholt, kann man es nicht wissen und daher zumindest für den Moment den Steuervorteil mitnehmen. Im Fall, dass sich die Aktie nicht erholt, hat man Steuern gespart, im Fall dass sie sich erholt, hat man die Steuern gestundet und Transaktionskosten bezahlt.

Wenn man die verlustigen Aktien nur verkauft (und nicht zurückkauft), weil man nicht von einem Wiederanstieg ausgeht, dann macht es durchaus Sinn, die Verluste zu realisieren. Es macht also steuerlich keinen Sinn, die Verlierer ewig mitzuschleppen, sondern sie gewissermaßen abzuschreiben und wenigstens den Steuervorteil kassieren.

Wenn man die Aktie nur noch wegen der Dividenden hält, nicht aber mit einem Wiederanstieg rechnet, dann macht es ebenfalls Sinn.

Ich habe zwei Szenarien konstruiert um gegenüberzustellen, wie es sich verhält wenn man Steuern aufschiebt (aber Transaktionskosten produziert) bzw. im zweiten Szenario, wenn man buy and hold betreibt.

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Szenario 1 Steueraufschub

(Bei Aktie 1 wird ein Verlusttopf aufgebaut, Aktie 2 wird aus welchen Gründen auch immer mit Gewinn verkauft, Aktie 1 steigt in Jahr 3 und wird dann verkauft):
Jahr 1

Aktie 1 (100 St.): Von 15 € auf 10 €; Verkauf Kauf, Verlusttopf 500 €, Transaktionskosten 20 €
Aktie 2 (100 St.) von 15 € auf 20 €; Verkauf, Verlusttopf von 500 € mit Gewinn verrechnet;
Steuern 0 € Transaktionskosten wären sowieso angefallen
Steuerersparnis von 125 € im Jahr 1 wird zu 7% p.a. angelegt für 2 Jahre -> Zinsertrag von 18,11
———————-
Insgesamt Transaktionskosten von 20 € zu berücksichtigen
Zinsertrag Steuerersparnis 18,11 €
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Jahr 3
Aktie 1 (100 St.): von 10 € auf 15 € -> Es werden Steuern von 125 € fällig (erst im Jahr 3)
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Zusammenfassung (Steuern: 125 €; Transaktionskosten: 20 €; Zinsertrag: 18,11 €) -> Belastung von 126,88 €
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Szenario 2 Buy and Hold
(Bei Aktie 1 wird gehalten, Aktie 2 wird aus welchen Gründen auch immer mit Gewinn verkauft,
Aktie 1 steigt in Jahr 3 und wird dann verkauft):

Jahr 1
Aktie 1 (100 St.): Von 15 € auf 10 €; Aktie wird behalten, Transaktionskosten 0 €
Aktie 2 (100 St.) von 15 € auf 20 €; Verkauf, Gewinn von 500 € wird versteuert;
Steuern 125 € Transaktionskosten wären sowieso angefallen
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Insgesamt Transaktionskosten zu vernachlässigen
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Jahr 3
Aktie 1 (100 St.): von 10 € auf 15 € -> Es werden keine Steuern fällig für Aktie 1
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Zusammenfassung (Steuern: 125 €; Transaktionskosten: 0 €; Zinsertrag: 0 €) -> Belastung von 125 €
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Fazit: Bei diesen konstruierten Szenarien ist es beinahe ein Nullsummenspiel, für welche Vorgehensweise man sich entscheidet. Ändern sich Parameter so kann es in die eine oder andere Richtung kippen. Die Zahlen habe ich im ersten Wurf aus dem Bauch heraus genommen und bin selbst überrascht, wie nah sich die beiden Szenarien kommen.

Man könnte evtl. für sich eine Höhe Berechnen, ab welchem Verlust es sich im Schnitt rechnen könnte.

Disclaimer: Ich übernehme keine Haftung für die Richtigkeit und Gültigkeit der Aussagen. Der Leser ist angehalten, sich selbst zu informieren und für sich ein Urteil zu bilden.

2 Kommentare zu „Steuern sparen mit Wertpapierverlusten

  1. Hallo Finanzmixerin,
    Ich würde noch ergänzen, dass diese Strategie natürlich Sinn macht, wenn der derzeitige Marktkurs unter dem Kaufkurs liegt, man das Wertpapier aber langfristig halten möchte. Richtig ist, dass in diesem Jahr, dann die Steuerlast gesenkt werden kann. Allerdings wird in der Zukunft – wenn man das Wertpapier dann hoffentlich mit Gewinn verkauft – der Kursgewinn als Differenz vom nun niedrigeren Kaufkurs berechnet. Insofern kommt es nur zu einer Steuerstundung und nicht zu einer Steuer-Vermeidung.
    Besonders freuen wird sich natürlich der Broker, der zweimal Provisionen kassieren darf 😉
    Ich würde daher wirklich zweimal nachdenken, ob ich diese Strategie verfolge.
    Oder übersehe ich etwas?
    Viele Grüße,
    FF

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  2. Du hast recht, Finanziellefreiheit: in gewisser Weise bedeutet es nur eine Steuerstundung, wenn man die verlustigen Aktien verkauft und wieder kauft (weil man mit einem Wiederanstieg rechnet).

    Es macht bedingt trotzdem Sinn außerhalb des Arguments, Steuern zu stunden, da man ohnehin nicht weiß, ob sich die Aktie überhaupt wieder erholt. Also selbst wenn man davon ausgeht, dass sich die Aktie wieder erholt, kann man es nicht wissen und daher zumindest für den Moment den Steuervorteil mitnehmen. Im Fall, dass sich die Aktie nicht erholt, hat man Steuern gespart, im Fall dass sie sich erholt, hat man die Steuern gestundet und Transaktionskosten bezahlt.

    Wenn man die verlustigen Aktien nur verkauft (und nicht zurückkauft), weil man nicht von einem Wiederanstieg ausgeht, dann macht es durchaus Sinn, die Verluste zu realisieren. Es macht also steuerlich keinen Sinn, die Verlierer ewig mitzuschleppen, sondern sie gewissermaßen abzuschreiben und wenigstens den Steuervorteil kassieren.

    Wenn man die Aktie nur noch wegen der Dividenden hält, nicht aber mit einem Wiederanstieg rechnet, dann macht es ebenfalls Sinn.

    Ich habe zwei Szenarien konstruiert um gegenüberzustellen, wie es sich verhält wenn man Steuern aufschiebt (aber Transaktionskosten produziert) bzw. im zweiten Szenario, wenn man buy and hold betreibt.

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    Szenario 1 Steueraufschub

    (Bei Aktie 1 wird ein Verlusttopf aufgebaut, Aktie 2 wird aus welchen Gründen auch immer mit Gewinn verkauft, Aktie 1 steigt in Jahr 3 und wird dann verkauft):
    Jahr 1

    Aktie 1 (100 St.): Von 15 € auf 10 €; Verkauf Kauf, Verlusttopf 500 €, Transaktionskosten 20 €
    Aktie 2 (100 St.) von 15 € auf 20 €; Verkauf, Verlusttopf von 500 € mit Gewinn verrechnet;
    Steuern 0 € Transaktionskosten wären sowieso angefallen
    Steuerersparnis von 125 € im Jahr 1 wird zu 7% p.a. angelegt für 2 Jahre -> Zinsertrag von 18,11
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    Insgesamt Transaktionskosten von 20 € zu berücksichtigen
    Zinsertrag Steuerersparnis 18,11 €
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    Jahr 3
    Aktie 1 (100 St.): von 10 € auf 15 € -> Es werden Steuern von 125 € fällig (erst im Jahr 3)
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    Zusammenfassung (Steuern: 125 €; Transaktionskosten: 20 €; Zinsertrag: 18,11 €) -> Belastung von 126,88 €
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    Szenario 2 Buy and Hold
    (Bei Aktie 1 wird gehalten, Aktie 2 wird aus welchen Gründen auch immer mit Gewinn verkauft,
    Aktie 1 steigt in Jahr 3 und wird dann verkauft):

    Jahr 1
    Aktie 1 (100 St.): Von 15 € auf 10 €; Aktie wird behalten, Transaktionskosten 0 €
    Aktie 2 (100 St.) von 15 € auf 20 €; Verkauf, Gewinn von 500 € wird versteuert;
    Steuern 125 € Transaktionskosten wären sowieso angefallen
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    Insgesamt Transaktionskosten zu vernachlässigen
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    Jahr 3
    Aktie 1 (100 St.): von 10 € auf 15 € -> Es werden keine Steuern fällig für Aktie 1
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    Zusammenfassung (Steuern: 125 €; Transaktionskosten: 0 €; Zinsertrag: 0 €) -> Belastung von 125 €
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    Fazit: Bei diesen konstruierten Szenarien ist es beinahe ein Nullsummenspiel, für welche Vorgehensweise man sich entscheidet. Ändern sich Parameter so kann es in die eine oder andere Richtung kippen. Die Zahlen habe ich im ersten Wurf aus dem Bauch heraus genommen und bin selbst überrascht, wie nah sich die beiden Szenarien kommen.

    Man könnte evtl. für sich eine Höhe Berechnen, ab welchem Verlust es sich im Schnitt rechnen könnte.

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